Auf der Suche nach neuen Webern

Die Welt ist, auf der Suche nach dem schnellen Geld, überschüttet von minderwertigen, auch handgewobenen Produkten. Doch ich brauche einen Weber, der wirklich etwas kann. 

Die einfachen Behausungen an den staubigen Wegen im oberägyptischen Dorf Naqada sehen alle gleich aus. Gelegentlich gewähren halboffene Eingangstüren einen flüchtigen Blick ins bescheidene Innere, doch für mich ist es unmöglich, hier den Weber zu finden, den ich suche. Doch Ali, mein treuer Begleiter und Übersetzer – dreissig Worte arabisch sind nun einfach nicht ausreichend - läuft zielstrebig mit mir die Gassen, die nicht nur staubig, sondern oft auch mit Müll übersät sind, herunter. Die Kinder auf dem Weg in die Schule, gekleidet in saubere Uniformen, schauen uns erstaunt nach.

Er findet die richtige Tür. In einem dunklen Raum treffen wir auf Mahmoud, der Sohn des Abu Ahmed (sprich Meister Achmed). Er sitzt an einem Webstuhl, der gut 200 Jahre alt sein kann. So primitiv das Ambiente ist, die Resultate können sich sehen lassen: Gewobene Schals in drei Qualitäten, in verschiedenen Breiten - bis 80 cm breit möglich.

Ich sitze neben Mahmoud, schaue ihm zu, frage. Je gezielter meine Fragen werden, desto mehr füllt sich der kleine Raum mit Männern, immer mehr grosse Schacheln mit fertigen Schals werden hereingetragen. Daneben Tee, Fruchtsäfte, Wasser. Zum Schluss bin ich von mindestens acht Männern zwischen geschätzten 30 und 85 Jahren sowie Bergen von Halstüchern umrundet. 

Spezialanfertigungen für uns? Mashi, mashi! Kein Problem! Kleine Mengen? Aywa, tamam!

Wenigstens kenne ich mich in den Schlagwörtern aus – ich werde als Frau, als Schweizerin zwar absolut respektiert, doch Verhandeln ist immer noch Männersache.

So habe ich die Vorarbeit erbringen können, den Verhandlungsabschluss überlasse ich, traditionsgemäss, Sheriff, dem Atelierleiter von Nagada.